Oldenburg

Werft

Werften und Handwerk an der Unterweser

Seit 1738 gibt es Werften in der Wesermarsch. Im Bereich von Brake und Elsfleth waren in der Zeit von 1790 bis 1926 entlang der Weser 23 Schiffsbauplätze nachzuweisen. Hier ließen viele oldenburgische Reeder ihre Schiffe bauen, warten und reparieren. Die meisten Werften der Region verpassten allerdings die Umstellung von Holz- auf Stahlschiffbau und wurden nach und nach geschlossen.

Durch die Vielzahl an Gewerken und Arbeitskräften, die für die Arbeit in den Werften benötigt wurden, siedelten sich die unterschiedlichsten Handwerksbetriebe in Brake und Elsfleth an. Zimmerleute, Seiler, Schiffbauer, Reepschläger, Schmiede und viele andere Handwerker arbeiteten Hand in Hand in den zahlreichen Werften.

Das Museum erleben
Im 2. Obergeschoss des Museums erwartet Sie ein detailgetreues Diorama der Oltmann-Werft in Brake um 1850 und ein Lageplan der Werften an der Unterweser. Außerdem finden sie bei uns das Meisterstück von Hinrich Fassmer: das Spantenmodell einer Brigg. Der Schiffbauer war der Bruder des Gründers der Fassmer-Werft, Johann Fassmer.

Reepschläger

Auf der Reeperbahn

Der Reepschläger ist ein traditioneller Handwerksberuf in der Seilherstellung. Reepschläger (Reep = niederdt. für Seil) stellten langes und dickes Tauwerk für die Schifffahrt her, von dem man für einen Großsegler im 19. Jahrhundert mehrere Kilometer benötigte. Gefertigt wurde dieses Material auf einer so genannten Reeperbahn. Sie war meist überdacht und aufgrund der benötigten Länge des Tauwerks über 300 Meter lang.

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Schlagmaschine, Leitholz, Verdrehung, Anhacken und Verdrillen sind nur einige Schlagworte, die den Beruf des Reepschlägers beschreiben. Am besten finden Sie heraus, wie die Reepschläger ihre Taue gefertigt haben, indem Sie selbst im Haus Borgstede & Becker ein Tau "schlagen".

Blockmacher

Zum Führen und Lenken

Ein wichtiges, aber selten beachtetes Handwerk für die Seefahrt war der Blockmacher. Blöcke an Bord von Segelschiffen führen und lenken Taue. Kombiniert mit weiteren Blöcken erleichtern sie als Flaschenzug oder Talje die erforderliche Zugkraft und damit die Arbeit an Bord. Um der Windkraft Muskelkraft entgegenzusetzen, sind Flaschenzüge gerade auf Segelschiffen unentbehrlich. Durch die Möglichkeit mit Hilfe von Blöcken Taue umzuleiten, kann das Tauwerk immer von zentralen Orten aus bedient werden.
Blockmacher sind sowohl mit dem Drechseln von Holz, als auch mit Beschlägen und Bolzen aus Metall vertraut. Darum war an die Werkstatt eines Blockmachers meist auch eine Schmiede angeschlossen. Die Gehäuse von Holzblöcken wurden häufig aus Ulmenholz gefertigt, für die Scheiben verwendete man überwiegend sehr hartes Pockholz. Ende des 19. Jahrhunderts wurde immer mehr Metall eingesetzt, gerade im Zusammenhang mit Drahttauwerk. Heute sind Blöcke überwiegend aus Leichtmetall mit Kunststoffrollen.

Das Museum erleben
Probieren Sie selbst die Funktion der Blöcke und die Arbeitserleichterung von Taljen im Schiffahrtsmuseum aus. Sogar Kinder ziehen an der Medienstation "Mast und Talje" spielend Säcke in den Mast, die Erwachsene mit der Hand nicht einmal bewegen können.

Segelmacher

Mit Nadel und Segelgarn

Zur Herstellung eines Segels zeichnete der Segelmacher zunächst eine Skizze des Segels. Danach stellte er den Segelriss her. Diese Segelrisse wurden durch maßstäbliche Zeichnungen nach den Aufgaben des Auftraggebers gefertigt. Nach dieser Zeichnung schnitt der Segelmacher das Material dann zurecht und nähte es anschließend auf der Segelmacherbank zusammen. Ursprünglich bestanden Segel aus festem Leinen oder Baumwolle. Diese wurde mit Gerbstoffen und Fetten haltbarer gegen Regen und Salzwasser gemacht.

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Wenn Sie sich dafür interessieren, wie ein Segelmacher seiner Arbeit nachging, sind Sie bei uns genau richtig. Hier finden sie die Werkzeuge, die er benötigte, ebenso wie das Material und seine Segelrisse.

Schiffszimmerer

Mit Axt und Hobel

Der Holzschiffbau des 19. Jahrhunderts brachte es mit sich, dass Schiffszimmerleute die meisten Arbeiten auf der Werft erledigten. Sie wählten im Wald die Bäume aus, die sich aufgrund ihrer Form für den Schiffbau eigneten. Sie bearbeiteten diese Bäume und sie setzten sie später Stück für Stück zu einem damals gängigen Schiffstyp zusammen.
Auch an Bord fuhren ständig Schiffszimmerleute mit und führten Reparaturen bis hin zum Ausbessern eines leck geschlagenen Schiffes durch. Das Leben als Schiffszimmermann war kein Zuckerschlecken: Der Arbeitstag war hart und nicht selten 14 Stunden lang.
Seine Werkzeuge fertigte der Schiffszimmermann nach seinen individuellen Bedürfnissen an und verstaute sie in einer Werkzeugkiste. Nicht selten wurden solche Kisten über mehrere Generationen vererbt.

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Sägen, Wasserwagen, Hobel, Raspeln, Bohrer, Schraubendreher - all diese Werkzeuge und einige mehr benutzte der Schiffzimmerer um ein Schiff zu bauen oder in Schuss zu halten. Viele davon können Sie in unserem Museum entdecken.

Schiffsschmied

Mit Hammer und Amboss

Der Beruf des Schiffsschmiedes unterschied sich kaum von dem des herkömmlichen Schmieds. Seine Aufgabe war die Fertigung aller für den Schiffbau benötigter metallener Teile. Dazu gehören Bänder, Beschläge, aber auch die Öfen, die auf den Schiffen zum Heizen verwendet wurden. Neben den Schiffsschmieden gab es eine Reihe spezialisierter Schmieden, wie die Nagelschmieden. Diese belieferten die Werften ausschließlich mit Boots- und Schiffsnägeln.

Das Museum erleben
Großer Nagel, große Wirkung - das Schiffahrtsmuseum zeigt Ihnen, mit welchen Gerätschaften ein Schiffsschmied tagein und tagaus arbeitete. Schraubstock und Zangen sind ebenso zu sehen, wie ein Amboss und verschiedene Hämmer.

Takler

Vom Spleißen

Der Takler war für den Bau und die Wartung der gesamten Takelage eines Schiffes verantwortlich. Bevor es in See stach, sorgte er dafür, dass alle Masten, das Tauwerk, die Spieren und die Blöcke ordnungsgemäß arbeiteten. Alle Funktionen wurden geprüft und  Tauwerk, das besonderer Witterung oder Reibung ausgesetzt war, zusätzlich mit Segeltuchstreifen und geteertem Garn umwickelt.
Auf See wurde die Wartung und Pflege dann meist von den Matrosen übernommen. Das Spleißen und Nähen gehörte zu ihrer Ausbildung. Jeder Matrose war mit dem nötigen Handwerkszeug ausgerüstet, auf See Reparaturen durchführen zu können.

Das Museum erleben
Bei uns können Sie den Teerkasten eines Taklers ebenso besichtigen, wie verschiedene Marlspiker, die zum Spleißen von Tauwerk genutzt wurden. Außerdem finden Sie hier einige Kleedkeulen, die dabei halfen, Taue gegen Witterung zu schützen.