Oldenburg

Die Weserlinie

Optische Telegraphie entlang der Weser

Die Meldung einlaufender Schiffe in die Wesermündung war für die Hafenstädte Brake oder Bremen Geld wert: Welche Waren hatte es geladen, wie viele Mann wurden zur Entladung benötigt oder stand es vielleicht unter Quarantäne? Das waren nur einige der Fragen, die möglichst noch vor Anlegen des Schiffes geklärt werden mussten. Zu Beginn der 1840er Jahre konnten solche Meldungen nur per Flussboot - und damit nicht viel schneller als das einlaufende Schiff - überbracht werden. Abhilfe sollte die optische Telegraphenlinie zwischen Bremerhaven und Bremen schaffen.

Die Stationen der so genannten Weserlinie waren: Bremerhaven, Dedesdorf, Brake, Elsfleth, Rekum, Vorbrock, Vegesack, Oslebshausen und Bremen. Im Gegensatz zum französischen Vorbild wurde die Weserlinie hauptsächlich durch private Geldmittel errichtet und fast ausschließlich von den Geld gebenden Kaufleuten genutzt. Sie wurde jedoch sehr schnell durch die zeitgleich errichtete und wesentlich leistungsfähigere elektrische Telegraphenlinie verdrängt.

Das Museum erleben
Der Turm des optischen Telegraphen in Brake ist fast vollständig in seiner originalen Form erhalten und mit seinem markanten Äußeren heute das Wahrzeichen von Stadt und Schiffahrtsmuseum.

Funktionsweise

Optische Zeichen

Bevor sich die Morsetelegraphie von Samuel Morse in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland durchsetzte, war die mechanisch-optische Telegraphie die einzige Möglichkeit, Nachrichten in kurzer Zeit über große Strecken zu übermitteln.
Das System war denkbar einfach: In Fernrohrsichtweite errichtete man Türme oder nutzte vorhandene hohe Bauwerke, auf deren Spitze eine Konstruktion schwenkbarer Arme installiert wurde. Die Schwenkarme konnten über eine Mechanik in verschiedene Positionen gebracht werden. Die Kombination der Positionen signalisierte ein bestimmtes Zeichen. Botschaften wurden übertragen, indem ein Turm sie einstellte, während der nächste sie per Fernrohr beobachtete und danach selbst weitergab.

Das Museum erleben
Der Telegraph verfügt über eine voll funktionsfähige Rekonstruktion der ursprünglichen dreiarmigen Signalanlage, mit der eine Übertragung von 512 verschiedenen Zeichen möglich ist. Das tatsächlich genutzte optische Telegraphenalphabet der Weserlinie sowie ein Modell zur Verdeutlichung der Funktionsweise sind in den obersten Stockwerken des Telegraphenturms zu finden.